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Chur

Orte

Martinskirche

Die Martinskirche wurde 1491 im gotischen Stil neu gebaut. 1523 wurde der Maienfelder Johannes Comander vom Stadtrat an die Martinskirche berufen. Wohl um 1525 feierte er das erste evangelische Abendmahl. Nach den Ilanzer Artikelbriefen von 1526, sicher ab 1527, wird in Chur mit Ausnahme des Bischofshofes die Reformation eingeführt. Altäre, Schmuck, Gewänder und Fahnen werden entfernt, der Hochalter bleibt noch bis 1529 in der Kirche. Beibehalten wird das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl.

Links neben der Kirche verläuft die Comandergasse, wo Johannes Comander wohnte, und an der Kirchgasse 12 das Antistitium, wo bis heute das Amtshaus des Pfarrers zu St. Martin ist. Die «Hasenstube» mit Wandmalereien von 1600 ist heute Sitzungszimmer. Der Name der Stube stammt von der darin erhaltenen Malerei aus der Renaissance, deren Hauptmotiv unter dem Thema «Verkehrte Welt» steht: Zehn Hasen führen in einem Triumphzug einen Jäger und seine Hunde ab.

Regulakirche

Ursprünglich aus dem 9. Jahrhundert, wurde die Regulakirche vor 1500 in gotischem Stil neu erbaut. Das Wandgemälde von 1504 wurde während der Reformation übertüncht und erst 1968 wieder freigelegt. 1526 wurde der streng römische Priester Johann Brunner abgesetzt. Seit 1530 wirkte an der Regulakirche der wohl aus dem Münstertal stammende Johannes Blasius, Mitverfasser des Bündner Katechismus (1538). Nach dessen Tode 1550 wurde Philipp Gallicius, ebenfalls ein Münstertaler, Verfasser der Confessio Raetica (1552/53), an die Regulakirche berufen.

Nikolaikloster

1526 kamen die Klöster der Drei Bünde unter staatliche Aufsicht. 1538 wurde das Kloster St. Nikolai aufgelöst und Comander gründete 1538/39 eine Lateinschule, die zur Vorläuferin der späteren Kantonsschule wurde. Von 1539 bis 1542 wirkte dort unter anderem der streitbare Münstertaler Humanist Simon Lemnius (Heldenepos «Raeteis», Liebeselegien «Amores»). Mit Erfolg konnte Comander 1544 vorerst dessen Rückkehr als Lehrer verhindern und der Zürcher Johannes Pontisella (†1574) wurde berufen; durch die Vermittlung von Johannes Travers gelang es Lemnius 1545 dennoch, wieder an der Nikolaisschule zu wirken.

Stadtgarten

Seit 1529 bestand an dieser Stelle ein erster, evangelischer Friedhof während 333 Jahren, der Scaletta-Friedhof, bis zur Eröffnung des Daleu-Friedhofs 1862. Comander ist hier anonym und ohne Grabstein bestattet. Nach dem Scaletta-Friedhof wird auch die traditionelle Amtstracht der reformierten Bündner Geistlichen benannt, der Scaletta-Mantel.

Schneiderzunft

An der Kirchgasse 14 befindet sich das Zunfthaus der Schneiderzunft, einer der fünf Churer Zünfte. Im Rahmen der Demokratisierungsbewegungen in den Drei Bünden im 15. Jahrhundert erkämpften sich die Churer gegenüber dem Fürstbischof Bürgerfreiheiten und führten die Zunftordnung ein.

Rathaus

Das Rathaus wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jh. erstmals erwähnt und bald darauf in ein Spital umgewandelt. Nebenan entstand ein neues Rathaus mit dazugehörigem Kaufhaus. Spital, Rathaus und Kaufhaus wurden beim Brand von 1464 zerstört. Über einer Eingangstür des heutigen Rathauses an der Reichsgasse steht zwar die Jahreszahl 1525, die Ratsstube wurde aber bereits 1494 fertig gestellt. Als Hauptort des Gotteshausbundes war der Churer Rat massgeblich an der Beschränkung der Herrschaftsrechte des Bischofs beteiligt. Die Rathaushalle von 1540 diente dem Transitverkehr und dem Handel.

Kathedrale und St. Luzi

Die Zitadelle thront als katholischer Bischofshof über der Stadt an dem Ort, wo schon eine bronzezeitliche Siedlung und das spätrömische Kastell standen. Die Churer Bischöfe erhielten 1170 vom Kaiser den Rang von Reichsfürsten. Die Kathedrale ist der Himmelfahrt Mariä geweiht. Oberhalb steht die katholische Kirche St. Luzi mit den Reliquien des Hl. Luzius. Infolge der Demokratisierungsbewegungen in den Drei Bünden ist die Macht des Bischofs stark eingeschränkt worden, so dass Bischof Paul Ziegler 1524 die Stadt verliess und die nächsten 16 Jahre auf der Fürstenburg im Vinschgau residierte.

Comanderkirche

Einzige von Reformierten gebaute Churer Kirche, die am Reformationssonntag 1957 im 400. Todesjahr Comanders eingeweiht wurde.

Historie

In Chur entstand schon im 4. Jahrhundert das erste Bistum nördlich der Alpen. Sowohl die Kathedrale als auch die Bischofsburg wurden später auf dem «Hof», dem Felsplateau über der heutigen Altstadt, gebaut, wo sie noch heute stehen. Die Drei Bünde (Gotteshausbund, Grauer Bund, Zehngerichtebund) waren ein Freistaat im Gebiet des heutigen Kantons Graubünden, der sich seit Mitte des 15. Jahrhunderts langsam herausbildete, unter anderem um die Macht des Bischhofs zurückzubinden. Nach dem Stadtbrand 1464 gestand Kaiser Friedrich III. den Churer Bürgern die fast vollständige Befreiung von der bischöflichen Herrschaft zu. Die politische Macht ging faktisch an die fünf neugegründeten Zünfte über, was die Grundlage späterer kirchlicher Reformen bildete.

1523 berief der Stadtrat Johannes Comander aus Maienfeld an die Hauptkirche St. Martin. Schon zuvor hatte in Chur der reformorientierte Jakob Salzmann gewirkt, und auch am Bischofshof war man offen für Reformen. Mit den Ilanzer Artikelbriefen von 1524 und 1526 gab sich der unabhängige Staat auch eigene Gesetze. Die ersten Artikelbriefe waren gegen Missstände des Kirchenwesens gerichtet. Radikaler fielen die zweiten Artikelbriefe aus, die unter anderem die Rechte des Bischofs empfindlich beschnitten. Damit fand eine Verlagerung der Herrschaftsrechte auf die Gemeinden statt. So konnten die Gemeinden künftig ihre Geistlichen selbst wählen und entlassen.

Nach den Ilanzer Artikelbriefen von 1526 wurde 1527 in Chur auf Beschluss des Rates die Reformation eingeführt. Altäre, Schmuck, Gewänder und Fahnen wurden entfernt, der Hochaltar blieb allerdings bis 1529 in der Kirche. Beibehalten wurde das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl. Als Folge der Ilanzer Artikel ging im Gebiete der Drei Bünde die Reformation mehrheitlich friedlich vonstatten. Wichtige Voraussetzung dafür war die jeder Frau und jedem Mann gewährte Religionsfreiheit. Dies konnte zu paritätischen Gemeinden führen. In manchen derselben fanden später als Folge der konfessionellen Radikalisierung heftige Auseinandersetzungen statt.

Die Evangelisch-rätische Synode wurde 1537 vom Bundstag zur Konsolidierung und Institutionalisierung der reformierten Kirche Bündens und ihrer Geistlichen beidseits der Alpen gegründet. Die Synode als Versammlung aller reformierten Pfarrer besteht noch heute und trifft sich jährlich jeweils in einer anderen Gemeinde. Die Confessio Raetica wurde von Philipp Gallicius 1552/1553 verfasst, um ein gemeinsames Glaubensbekenntnis sowie eine Synodal- und Gottesdienstordnung für das Gebiet der Drei Bünde und der Untertanenlande (Chiavenna, Vetllin, Bormio) zu haben. Die Confessio Raetica wurde 1566 durch das Zweite Helvetische Bekenntnis von Heinrich Bullinger ergänzt.

Johannes Comander

Johannes Dorfmann (1484-1557), genannt Comander, war Sohn eines Hutmachers aus Maienfeld und besuchte die Klosterschule St. Gallen und die Universität Basel. In St. Gallen lernte er den späteren Reformator Vadian kennen, in Basel Zwingli. Seit 1512 war Comander Pfarrverweser und ab 1521 Pfarrer von Escholzmatt (LU). 1523 wurde er vom Stadtrat nach Chur an die Martinskirche berufen. Seine reformatorischen Predigten waren bald weit herum bekannt. In der Ilanzer Disputation (1526) legte er 18 Thesen vor, die später als Grundlage für die Berner Thesen (1528) dienten.

Er war der erste Vorsitzende der um 1537 gegründeten Synode, verfasste 1538 zusammen mit Johannes Blasius den ersten Bündner Katechismus und 1545 eine Churer Kirchenordnung. 1539 gründete er die Lateinschule St. Nicolai. Dank Unterstützung und Beratung durch Heinrich Bullinger gelang es ihm, mit der Confessio Raetica (1552/53) auch die Südtäler in die Synode einzubinden.